1) Pestizide: Das unterschätzte Problem

Vielleicht werden einige verwundert sein, warum wir das Problem der Pestizide zu den größten Problemen der Menschheit zählen. Dazu eine kurze Erklärung: Pestizide sind nicht nur sehr gefährlich für unsere Gesundheit und richten nicht nur enorme Schäden in der Natur an, sie sind darüber hinaus der entscheidende systemstabilisierende Faktor der intensiven Landwirtschaft. Diese Form der Landwirtschaft ist ihrerseits die Grundlage der massenhaften Produktion tierischer Nahrungsmittel, da der Output der intensiven Landwirtschaft zu einem sehr großen Teil als Futtermittel verwendet wird. (Weltweit wird etwa ein Drittel des gesamten Ackerlandes für den Anbau von Futtermitteln wie Mais und Soja genutzt. In der EU ist dieser Anteil mit rund 60 % des angebauten Getreides sogar noch höher.)

Dieser Gesamtkomplex – intensive Landwirtschaft plus intensive Tierproduktion, stabilisiert und ermöglicht durch Pestizide – ist die bei weitem größte Einzelursache der weltweiten Zerstörung unserer natürlichen Umwelt.

Bedenkt man zudem die negativen Gesundheitseffekte der auf diese Weise produzierten und konsumierten Nahrung, zum Beispiel durch den übermäßigen Konsum von Fleisch, Milch und Eiern oder durch den Verzehr von Obst und Gemüse, das mit Pestiziden belastet ist, wird das Ausmaß der Problematik deutlich. Insgesamt ist unsere Ernährung paradoxerweise der größte Verursacher von vorzeitigen Todesfällen und vermeidbarer Krankheitslast in der Welt.

Ein umfassender Blick auf unsere planetaren Krisen

Die aktuelle Artikelserie über Pestizide ist nur der Auftakt einer umfassenderen Bemühung diese Probleme übersichtlich und verständlich zu präsentieren. Es werden andere Publikationen folgen, die andere Aspekte im Detail beleuchten werden: zunächst Tierfabriken, dann Artensterben und Klimakrise. Schließlich eine Artikelserie über die neun planetaren Belastungsgrenzen der Biosphäre.

Warum eine neue Darstellung?

Doch zurück zum Thema der aktuellen Serie: Pestizide. Unter den Buch-Publikationen, die für eine allgemeine Leserschaft gedacht waren, gab es in den letzten 40 Jahren weder in Frankreich noch in Spanien noch in England oder Deutschland eine einzige, die auch nur den Versuch unternommen hätte, das Pestizid-Problem in seiner Gesamtheit überblickbar und verständlich zu machen. Alle bisherigen Bücher für den Massenmarkt fokussierten stets auf Einzelaspekte: hier das Zulassungsverfahren, dort das Bodenleben, einmal die Gesundheit der Kinder, ein andermal die Geschichte der Monokulturen.

Es gibt tatsächlich weltweit kein einziges Buch, das dem interessierten Laien einen fundierten, aber leicht verständlichen Überblick zu diesem Thema verschaffen könnte.

Die Herausforderung!

Zum Teil liegt die Ursache dieses Fehlens von Überblickswerken am Thema selbst, an seiner atemberaubenden Komplexität. Allein in der EU sind über dreihundert verschiedene Wirkstoffe zugelassen, die unter dem Begriff Pestizide zusammengefasst werden. Jeder dieser Wirkstoffe trägt einen oft unaussprechlichen chemischen Namen, so dass es nicht verwunderlich ist, dass bisher nur ganz wenige von diesen Begriffen in der Öffentlichkeit überhaupt diskutiert wurden (zum Beispiel Glyphosat oder Neonicotinoide).

Noch komplizierter wird die Sache, wenn man sich der Frage zuwendet, die die meisten Menschen am meisten interessiert:

  • Vergifte ich mich oder meine Kinder, wenn ich normales, nicht biologisch angebautes Obst und Gemüse aus dem Supermarkt konsumiere?
  • Sind Fleisch, Milch und Eier ebenfalls kontaminiert?
  • Vergifte ich mich selbst oder werde ich vergiftet, wenn ich in der Nähe von landwirtschaftlich genutzten Flächen wohne?
  • Falls ja, was kann ich dagegen tun?

Komplexität, wo immer man hinsieht! Der Nachweis der Gifte in der Nahrung und im Körper beruht auf einer sehr komplexen Wissenschaft und zum Verständnis der potenziellen Schäden ist ein grundsätzliches Verständnis verschiedener Teilsysteme unseres Körpers bzw. der Wirkweise verschiedener chemischer Wirkstoffe nötig.

Kurz und gut: Eine übersichtliche und verständliche Darstellung der Gesundheitsgefahren durch Pestizide stellt eine echte Herausforderung dar. Und in Bezug auf die Darstellung der Wirkung dieser Gifte in der Natur ist die Aufgabe auch nicht sehr viel einfacher.

Unser Fahrplan: Die Artikelserie im Überblick

In unserer Artikelserie stellen wir uns dieser Aufgabe und behandeln die Pestizid-Problematik in vier Abschnitten:

  • Teil 1: Gefährden Pestizide unsere Gesundheit?
  • Teil 2: Was können wir dagegen tun?
  • Teil 3: Gefährden sie die Natur?
  • Teil 4: Was können wir dagegen tun?

Teil 1 beginnt dabei nicht direkt mit der Frage, ob und wie Pestizide uns krank machen, sondern mit zwei Fragen, die wir vorab behandeln müssen. Erstens, auf welche Weise kommen wir überhaupt mit Pestiziden in Kontakt? Zweitens: Gelangen diese Pestizide auch tatsächlich in unsere Körper? In welchem Ausmaß und ist das nachweisbar?

Danach fragen wir erst, ab dem dritten Artikel unserer Serie, nach den Schäden, die Pestizide in unserem Körper verursachen könnten. Die bekanntesten drei Problemkreise sind die Schädigung unseres Hormonsystems, unseres Nervensystems und schließlich der Zelle, was zur Entstehung von Krebs führen kann.

Abgerundet wird dieser erste Teil durch die logische Frage: Wieso kann es sein, dass uns die Zulassungsverfahren für Pestizide nicht besser schützen?

Durch diese Herangehensweise wird es uns gelingen, einen leicht verständlichen Überblick über die Gesundheitsgefahren durch Pestizide für die Allgemeinheit zu schaffen. Nach diesem ersten Teil werden unsere Leser ein fundiertes und realistisches Bild von der Gefahr gewonnen haben und sind gut vorbereitet für den zweiten Teil über Lösungen.

Die gute Nachricht lautet, dass diese Lösungen, zumindest auf einer individuellen Ebene, extrem einfach und leicht umsetzbar sind.

Nach Teil 1 und 2 zu den Gesundheitsgefahren geht es in Teil 3, nach dem gleichen bewährten Muster, um die in der Umwelt verursachten Probleme und in Teil 4, um deren dringend notwendige Lösungen.

Ein persönlicher Ausblick

Ich freue mich aus ganzem Herzen, dass es mir mit dieser Artikelserie – im dritten Anlauf – nach „Das Wunder von Mals“ und „Gift und Wahrheit“ – endlich gelingen wird, diese Gefahren und ihre naheliegenden Lösungen wirklich übersichtlich und einfach zu präsentieren.

Ich hoffe, damit einen Beitrag dazu zu leisten, dass immer mehr Menschen das Problem für sich lösen und genauer erkennen, für welche politischen Lösungen wir uns engagieren sollten.

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