20) Profit, Macht und Einfluss der Agrochemie-Giganten

Eine Frage der Macht, nicht der Wissenschaft

Wie kann ein Produkt wie Glyphosat von Behörden als sicher eingestuft werden, während der Hersteller gleichzeitig Milliarden an Krebspatienten zahlt? Die Antwort liegt offensichtlich nicht in einem wissenschaftlichen Disput, sondern vielmehr in einem komplexen Geflecht aus ökonomischer Macht, politischem Einfluss und der gezielten Verbreitung und Steuerung von Narrativen.

Zerlegen wir also gemeinsam die finanzielle Maschine der Agrochemie-Industrie und zeichnen wir nach, wie ihre immensen Gewinne eingesetzt werden, um brandgefährliche Produkte zu verteidigen, den wissenschaftlichen Diskurs zu torpedieren und regulatorische Rahmenbedingungen zu beeinflussen.

Im Mittelpunkt unserer Analyse stehen die „Großen Vier“ der Branche: die Syngenta Group, Bayer Crop Science, Corteva Agriscience und BASF Agricultural Solutions. Diese Konzerne sind die Überlebenden eines hochkonsolidierten Marktes, der ihnen eine beispiellose finanzielle und politische Hebelwirkung verleiht. Eine genaue Betrachtung ihrer Bilanzen ist daher nicht nur eine ökonomische Übung, sondern der Ausgangspunkt für das Verständnis ihrer weitreichenden Macht.

Die Giganten der modernen Landwirtschaft

Um die Macht der Agrochemie-Industrie zu verstehen, muss man zunächst ihre finanzielle Dimension begreifen. Diese Zahlen bilden die Basis, auf der ihre Fähigkeit zur Einflussnahme beruht.

Der globale Agrochemiemarkt

Der globale Agrochemiemarkt hat gewaltige Ausmaße. Schätzungen für das Jahr 2023 beziffern seinen Wert auf etwa 252 bis 352 Milliarden US-Dollar. Prognosen deuten auf ein stetiges Wachstum hin, das den Marktwert bis Anfang der 2030er Jahre auf weit über 350 Milliarden US-Dollar ansteigen lassen wird. Diese Zahlen schließen den Markt für Pestizide (Pflanzenschutzmittel) und Düngemittel mit ein.

Für die Analyse der Machtdynamiken, insbesondere im Kontext umstrittener Produkte wie Glyphosat, müssen wir also auf den Markt für Pflanzenschutzmittel (Pestizide) fokussieren. Dieser Kernmarkt wurde im Jahr 2023 auf einen Wert zwischen 61,4 und 91,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. In diesem Segment entfalten die „Großen Vier“ ihre dominierende Stellung und verteidigen ihre umsatzstärksten und ertragreichsten Produkte mit allen Mitteln.

Die „Großen Vier“: Eine finanzielle Autopsie (Geschäftsjahr 2023)

Die folgende Aufstellung fasst die finanzielle Leistungsfähigkeit der vier dominanten Konzerne im Geschäftsjahr 2023 zusammen. Sie demonstriert die oligopolistische Struktur des Marktes und liefert die Grundlage für das Verständnis der Ressourcen, die für die Verteidigung ihrer Geschäftsinteressen zur Verfügung stehen.

  • Syngenta Group: Umsatz $32,2 Mrd. | Gewinn $4,6 Mrd.
  • Bayer Crop Science: Umsatz $25,1 Mrd. | Gewinn $5,4 Mrd.
  • Corteva Agriscience: Umsatz $17,23 Mrd. | Gewinn Mrd. $3,38 Mrd.
  • BASF Agricultural Solutions: Umsatz $10,9 Mrd. | Gewinn $1,7 Mrd.

Detaillierte Unternehmensanalysen

  • Syngenta Group (im Besitz von ChemChina): Der Konzern verzeichnete im Gesamtjahr 2023 einen Umsatz von 32,2 Milliarden US-Dollar und ein EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von 4,6 Milliarden US-Dollar. Allein die Pflanzenschutzsparte erwirtschaftete einen Umsatz von 15,5 Milliarden US-Dollar, was ihre zentrale Bedeutung unterstreicht.
  • Bayer Crop Science: Die Agrarsparte des deutschen Bayer-Konzerns erzielte 2023 einen bestätigten Umsatz von 25,1 Milliarden US-Dollar und ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 5,4 Milliarden US-Dollar. Die Gewinnmarge von 21,7 % zeugt von einer immensen Effizienz und Rentabilität, selbst angesichts erheblichen Gegenwinds durch fallende Glyphosatpreise.
  • Corteva Agriscience (DowDuPont-Abspaltung): Das US-Unternehmen meldete für das Gesamtjahr 2023 einen Nettoumsatz von 17,23 Milliarden US-Dollar und ein operatives EBITDA von 3,38 Milliarden US-Dollar. Die Unternehmensberichte heben eine starke Leistung im Saatgutsegment und ein Wachstum bei biologischen Produkten hervor.
  • BASF Agricultural Solutions: Die Agrarsparte der BASF verbuchte 2023 einen Umsatz von 10,9 Milliarden US-Dollar und einen Rekordgewinn (EBIT vor Sondereinflüssen) von 1,7 Milliarden US-Dollar.

Die Analyse dieser Zahlen offenbart eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der Profitmaschine. In ihren eigenen Geschäftsberichten für 2023 verweisen mehrere Konzerne auf erheblichen „Gegenwind“, Lagerabbau und Preisdruck, insbesondere bei nicht-selektiven Herbiziden wie Glyphosat. Trotz dieser allgemein anerkannten negativen Bedingungen meldete jeder der „Großen Vier“ Gewinne in Milliardenhöhe. BASF feierte sogar sein „historisch bestes“ Ergebnis.Dies ist alles andere als eine angeschlagene Industrie. Ihre grundlegende Rentabilität ist immens.

Die kombinierten Jahresgewinne allein dieser vier Konzerne belaufen sich auf über 15 Milliarden US-Dollar. Und das sind nicht nur Zahlen in einer Bilanz.

  • Dieser jährliche Geldstrom finanziert jene Anwaltsteams und Rechtsabteilungen, die Milliardenklagen als reinen Posten in der Bilanz behandeln können. 
  • Er bezahlt die PR-Firmen und Lobbyisten, die unabhängige Wissenschaft angreifen. 
  • Er ermöglicht die Finanzierung von Tarnorganisationen und das Ghostwriting wissenschaftlicher Artikel.v

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen werden die Handlungen der Agrarindustrie zu einer kalten, logischen Verteidigung eines massiven Einnahmestroms.

Die in diesem Abschnitt dargelegte Finanzkraft ist die Ursache; der politische und wissenschaftliche Einfluss ist die Wirkung.

Wie Profit zur Waffe im Kampf um die Deutungshoheit wird

Die Milliardengewinne der Konzerne finanzieren das Waffenarsenal, das die Agrochemie-Giganten einsetzen, um ihre Produkte zu verteidigen und die öffentliche sowie wissenschaftliche Wahrnehmung zu ihren Gunsten zu formen. Rufen wir uns die zentrale Elemente dieses System, die wir in früheren Artikeln kennen gelernt haben, kurz ins Gedächtnis zurück.

Rechtsstreitigkeiten als kalkulierte Betriebsausgabe

Die Rückstellungen des Bayer-Konzerns für die Roundup™-Rechtsstreitigkeiten haben 16 Milliarden US-Dollarüberschritten. Jüngste Urteile seit Ende 2023 haben weitere Milliarden an potenziellen Verbindlichkeiten hinzugefügt. Allein im August 2025 stockte Bayer seine Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten um weitere 1,37 Milliarden US-Dollar (1,2 Milliarden Euro) auf.

Auf den ersten Blick scheinen solche Zahlen eine existenzielle Bedrohung für den Konzern zu sein. Stellt man sie jedoch dem jährlichen EBITDA der Sparte Crop Science von über 5 Milliarden Euro gegenüber, ergibt sich ein anderes Bild. Die Milliardenzahlungen werden zu einer zwar schmerzhaften, aber beherrschbaren Betriebsausgabe.

Die Strategie ist eindeutig: Die Rechtskosten werden absorbiert, um die weitaus höheren Einnahmen aus dem Verkauf von glyphosatbasierten Produkten zu schützen. Ein weltweiter Verkaufsstopp wäre weitaus katastrophaler. Dies ist eine finanzielle, keine moralische oder wissenschaftliche Abwägung. Der Konzern hat von rund 192.000 eingereichten Klagen bereits 131.000 beigelegt oder als unzulässig eingestuft, etwa 61.000 Fälle sind weiterhin anhängig.

Die Fabrikation von Wissenschaft

Die vielleicht schockierendsten Einblicke in die Unternehmensstrategie lieferten die im Zuge der US-Prozesse freigegebenen internen Monsanto-Dokumente. Diese Dokumente belegen die Praxis des „Ghostwritings“ – des Verfassens wissenschaftlicher Artikel durch Unternehmensmitarbeiter, die dann unter dem Namen externer, scheinbar unabhängiger Akademiker veröffentlicht werden.

Das Ziel dieser Strategie ist es, einen wissenschaftlichen Korpus zu schaffen, der den eigenen Produkten zugutekommt – nicht durch Forschung, sondern durch Fabrikation und Manipulation. Diese Taktik erstreckte sich auch auf die Einmischung in den Peer-Review-Prozess und den Versuch, Fachzeitschriften zur Rücknahme unliebsamer Studien zu drängen.

Der Krieg gegen die IARC

Als die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Glyphosat im Jahr 2015 als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ (Gruppe 2A) einstufte, startete die Industrie eine koordinierte und aggressive Kampagne zur Diskreditierung der Agentur.

Monsantos vertraulicher PR-Plan, der durch die „Monsanto Papers“ an die Öffentlichkeit gelangte, beschrieb detailliert das Ziel, die „Wirkung des Berichts zu neutralisieren“ und einen „Aufschrei der Empörung“ zu „orchestrieren“.Dafür sollte ein Netzwerk von „Industriepartnern“ mobilisiert werden, darunter Lobbygruppen, von der Industrie finanzierte „Wissenschafts“-Gruppen und Bauernverbände.

Die Kampagne umfasste aggressives Lobbying, Medienarbeit (einschließlich als Ghostwriter verfasster Artikel in Publikationen wie Forbes) und direkte Angriffe auf die Glaubwürdigkeit der IARC-Wissenschaftler.

Diese Taktiken – das Management von Rechtsstreitigkeiten, das Ghostwriting von Studien und der Angriff auf eine Wissenschaftsorganisation – sind keine isolierten Handlungen. Sie sind Komponenten einer einzigen, übergreifenden Strategie: die Konstruktion und Verteidigung einer spezifischen Realität, in der die eigenen Produkte als unzweifelhaft sicher gelten.

  • Wenn Rechtsstreitigkeiten diese Realität in Frage stellen, werden sie finanziell gemanagt. 
  • Wenn die wissenschaftliche Literatur kritisch ist, wird eine genehme Literatur geschaffen. 
  • Wenn eine unabhängige wissenschaftliche Einrichtung zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt, wird ihre Glaubwürdigkeit systematisch zerstört. 

Es handelt sich also nicht lediglich um „Öffentlichkeitsarbeit“ oder „Rechtsverteidigung“. Es handelt sich um eine proaktive, gut finanzierte und langfristige Kampagne zur Herstellung eines wissenschaftlichen und öffentlichen Konsenses, der einem kommerziellen Interesse dient.

Die langfristige Konsequenz dieser Strategie ist nicht nur eine Debatte über eine einzelne Chemikalie, sondern die Aushöhlung des öffentlichen Vertrauens in die Wissenschaft selbst. Die Integrität des wissenschaftlichen Prozesses beruht auf Transparenz, Peer-Review und Unabhängigkeit. Die beschriebenen Taktiken korrumpieren alle drei Säulen. Dies schafft ein vergiftetes Informationsökosystem, in dem es für die Öffentlichkeit, politische Entscheidungsträger und sogar andere Wissenschaftler schwierig wird, zwischen unabhängiger Forschung und als Wissenschaft getarntem Unternehmensmarketing zu unterscheiden. Wenn die UN-Krebsagentur für ihre Ergebnisse unerbittlich angegriffen werden kann und Fachzeitschriften unwissentlich von Ghostwritern verfasste Artikel veröffentlichen, wird das Fundament der evidenzbasierten Politikgestaltung bedroht. Dies schafft einen Raum für Zweifel und Verwirrung, den Konzerne ausnutzen können, um Regulierung zu verzögern und Gewinne zu sichern.

Der Einfluss der Industrie auf die Regulierung

Die Fähigkeit der Agrochemie-Industrie, das wissenschaftliche und öffentliche Narrativ zu prägen, wird durch ihren tiefgreifenden Einfluss auf die Regulierungsbehörden ergänzt, die eigentlich ihre Aufsicht führen sollten. Dieses Phänomen, bekannt als „Regulatory Capture“ (Vereinnahmung der Regulierungsbehörde), zeigt, wie finanzielle und politische Macht in günstige regulatorische Entscheidungen umgewandelt wird.

Die „Drehtür“ bei der US-Umweltbehörde EPA

Ein zentraler Mechanismus der Vereinnahmung ist die sogenannte „Drehtür“ – ein gut dokumentiertes Muster, bei dem Personal zwischen hochrangigen Positionen bei der US-Umweltbehörde (EPA) und gut bezahlten Posten in der Pestizidindustrie und ihren Lobbyfirmen wechselt.

Die Beweise sind erdrückend: Ehemalige Pestizid-Lobbyisten werden zu leitenden Beratern im US-Landwirtschaftsministerium (USDA), oder EPA-Beamte wechseln an die Spitze von Industriehandelsverbänden.Eine Analyse zeigt, dass von neun Direktoren des EPA Office of Pesticide Programs (OPP) seit 1974 sieben nach ihrem Ausscheiden aus der Behörde für die Pestizidindustrie tätig wurden. Dieser ständige Personalaustausch schafft tief verwurzelte institutionelle und persönliche Bindungen und fördert eine industriefreundliche Kultur. Ein EPA-Toxikologe beschrieb dies als eine „ungeschriebene Regel, dass für eine Beförderung alle Pestizide die Prüfung bestehen müssen“. Diese Kultur hat konkrete Folgen: Die USA erlauben den Einsatz von über 85 Pestiziden, die in anderen Rechtsordnungen wie der EU verboten sind.

Geschwächte Wissenschaft und verzögertes Handeln

Diese Vereinnahmung manifestiert sich in konkreten Entscheidungen. Die EPA stützt sich bei Sicherheitsbewertungen stark auf vertrauliche, von der Industrie finanzierte Studien, während unabhängige, von Fachkollegen geprüfte Forschung oft abgetan wird.

Interne E-Mails der EPA belegen, wie Wissenschaftler von politisch ernannten Vorgesetzten unter Druck gesetzt wurden, Sicherheitserkenntnisse zu ändern, Beweise für Schäden zu ignorieren und Zulassungen zu beschleunigen, um politische Fristen einzuhalten, wie im Fall des Pestizids Aldicarb.

Diese systemische Voreingenommenheit erklärt, warum die Schlussfolgerungen der EPA zur Sicherheit von Glyphosat so stark von denen der IARC abweichen. Die Bewertung der EPA basiert auf einem anderen, stärker von der Industrie beeinflussten Datensatz und findet in einer Kultur statt, die anfällig für politischen und unternehmerischen Druck ist.

Die europäische Parallele

Obwohl strukturell anders, sah sich auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) der Kritik ausgesetzt, sich bei ihrer Glyphosat-Bewertung stark auf von der Industrie bereitgestellte, nicht-öffentliche Studien zu stützen, was zu Schlussfolgerungen führte, die denen der IARC widersprachen.

Auch wenn es sich nicht um eine klassische „Drehtür“ handelt, führt die bevorzugte Gewichtung von Unternehmensdaten gegenüber öffentlicher Wissenschaft auch in Europa zu einem ähnlichen Ergebnis: einem regulatorischen Umfeld, das etablierte Produkte begünstigt.

Die Strategie der Industrie zielt allerdings nicht nur darauf ab, einzelne Entscheidungen zu gewinnen, sondern ein regulatorisches System aufrechtzuerhalten, das ihrem Geschäftsmodell grundsätzlich wohlgesonnen ist. Indem ehemalige Mitarbeiter in Schlüsselpositionen platziert werden und sichergestellt wird, dass das System ihre proprietären Daten priorisiert, können sie das Ergebnis gestalten, bevor die öffentliche Debatte überhaupt beginnt. Die Vereinnahmung betrifft nicht eine einzelne Entscheidung, sondern den gesamten Prozess.

Dieses Vorgehen führt zu einer Umkehrung des Vorsorgeprinzips. Dieses Prinzip, das im europäischen Recht verankert ist, besagt, dass bei glaubhafter wissenschaftlicher Unsicherheit über potenzielle Schäden die Regulierung aus Vorsicht zugunsten des Schutzes der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt handeln sollte. Die Vereinnahmung der Regulierung kehrt dieses Prinzip um. Anstatt von der Industrie zu verlangen, die Sicherheit ihrer Produkte zweifelsfrei zu beweisen, bürdet das vereinnahmte System der Öffentlichkeit und unabhängigen Wissenschaftlern die Beweislast auf, einen definitiven Schaden nachzuweisen. Jede Unsicherheit, die oft von der Industrie selbst erzeugt wird, wird als Rechtfertigung für Untätigkeit oder fortgesetzte Zulassung genutzt.

Dies schafft einen Teufelskreis, in dem gefährliche Chemikalien jahrzehntelang auf dem Markt bleiben können.Das System ist darauf ausgelegt, kommerzielle Interessen über die öffentliche Gesundheit zu stellen, indem es eine unüberwindbar hohe Hürde für regulatorische Maßnahmen setzt, während die Gewinne weiter fließen.

Schlussfolgerung

Unsere Analyse zeichnet das Bild einer Industrie, deren Macht tief in ihrer enormen Profitabilität verwurzelt ist. Die jährlichen Milliardengewinne der „Großen Vier“ sind nicht nur ein Maß für ihren wirtschaftlichen Erfolg, sondern gleichzeitig der Hebel, mit dem sie ihre Vormachtstellung festigen.

Unser Bericht hat gezeigt, wie diese Macht ausgeübt wird: durch die Behandlung massiver rechtlicher Verbindlichkeiten als bloße Geschäftskosten, die Herstellung eines günstigen wissenschaftlichen Narrativs durch unethische Praktiken wie Ghostwriting, die systematische Diskreditierung unabhängiger Wissenschaft und die Vereinnahmung der Regulierungsbehörden, die eigentlich ihre Kontrolleure sein sollten.

Diese Machtstruktur ist auf dem Fundament eines chemieabhängigen, industriellen Monokultursystems errichtet, das die Industrie selbst mitgeschaffen hat und nun aufrechterhält. Es ist ein sich selbst verstärkendes System, wie wir im folgenden Artikel besprechen werden, in dem die Lösungen für heute die Probleme von morgen schaffen und so eine dauerhafte Nachfrage sichern.

Obwohl jedoch Macht der Agarindustrie gewaltig und tief verankert ist, steht sie vor neuen Realitäten. Aufkommende Gegentrends stellen langfristige Herausforderungen dar. Das schnelle Wachstum des Marktes für Biopestizide und die zunehmende Akzeptanz der regenerativen Landwirtschaft signalisieren eine wachsende Nachfrage nach Alternativen. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass ein Wandel möglich ist, auch wenn er auf erheblichen Widerstand stößt.

Die Zukunft der Ernährung und Landwirtschaft folgt somit keinem vorbestimmten Pfad, sondern ist ein umkämpftes Terrain. Der zentrale Konflikt bleibt bestehen: Wird die Zukunft von der immensen wirtschaftlichen und politischen Macht des Chemie-Imperiums diktiert oder von der wachsenden öffentlichen und wissenschaftlichen Forderung nach einem nachhaltigeren, widerstandsfähigeren und gerechteren System? Die Antwort wird davon abhängen, ob es unabhängiger Wissenschaft, transparenter Regulierung und öffentlichem Bewusstsein gelingt, eine auf Profitmaximierung ausgerichtete Machtstruktur herauszufordern.

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