Stimmt das überhaupt?

Ich habe behauptet, dass jeder Mensch auf der Erde rund 2.000 Quadratmeter Ackerland zur Verfügung hat. Bevor wir fragen, ob man davon leben kann, sollten wir prüfen, ob diese Zahl überhaupt stimmt.

Um diese Überprüfung durchzuführen, brauchen wir zwei Informationen. Wir müssen erstens wissen, wie viele Menschen auf der Erde leben. Und wir müssen zweitens wissen, wie viel Ackerland es gibt. Dann teilen wir das eine durch das andere und erhalten so unsere Antwort.

Wie viele Menschen?

Die Vereinten Nationen schätzen, dass Mitte 2026 rund 8,3 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Jedes Jahr kommen ungefähr 70 Millionen dazu. Das sind etwa so viele Menschen, wie Frankreich Einwohner hat.

Wie viel Ackerland?

Diese Frage ist kniffliger. Denn zunächst müssen wir klären, was das überhaupt ist: Ackerland? Doch langsam und der Reihe nach …

Die bestmöglichen Zahlen, um unsere Frage zu beantworten, sammelt die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen, die FAO. Jedes Land meldet ihr, wie es seine Flächen nutzt. Die FAO teilt auf dieser Datenbasis die gesamte Fläche, auf der Landwirtschaft betrieben wird, in drei Arten von Flächen ein.

  • Die erste Art ist der Acker im engeren Sinn. Hier wächst, was jedes Jahr neu gesät oder gepflanzt wird: Weizen, Mais, Kartoffeln, Bohnen, Raps, Gemüse. Felder, die dafür genutzt werden, aber gerade für einige Jahre brachliegen, zählen auch dazu.
  • Die zweite Art sind Dauerkulturen. Das sind Pflanzen, die viele Jahre am selben Ort stehen. Apfelbäume zum Beispiel, Weinreben, Kaffeesträucher, Kakaobäume und Ölpalmen.
  • Die dritte Art sind Wiesen und Weiden, auf denen dauerhaft Gras wächst. Hier grasen Rinder, Schafe und Ziegen.

Für unser Gedankenexperiment zählen wir die ersten beiden Arten zusammen. Denn auf diesen Flächen könnte Nahrung für Menschen wachsen. Auf einer Weide wächst nur Gras, und Gras können wir nicht essen.

Wenn ich also in diesem Buch von Ackerland sprechen werde, meine ich immer beides: den Acker und die Dauerkulturen.

Die FAO nennt diese Gesamtfläche aus Acker und Dauerkulturen „cropland“.

Nun die Rechnung

Weltweit gibt es rund 4,8 Milliarden Hektar landwirtschaftliche Fläche. Ein Hektar sind 10.000 Quadratmeter, also ein Quadrat von 100 mal 100 Metern.

Davon sind rund 1,6 Milliarden Hektar Ackerland. Der Rest, etwa 3,2 Milliarden Hektar, sind Wiesen und Weiden.

Nur ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche ist also Ackerland. Zwei Drittel sind Weideland.

Teilen wir jetzt 1,6 Milliarden Hektar durch 8,3 Milliarden Menschen, so ergibt das knapp 0,2 Hektar pro Kopf. Das sind rund 1.900 Quadratmeter.

Meine Zahl von 2.000 Quadratmetern stimmt also beinahe, aber nicht ganz.

Diese Zahl schrumpft

Es handelt sich allerdings um eine Zahl, die sich in den letzten Jahrzehnten verändert hat.

Im Jahr 2000 lebten nur etwa 6,1 Milliarden Menschen auf der Erde. Auf jeden Menschen kamen damals noch rund 2.400 Quadratmeter Ackerland. Heute sind es nur noch 1.900 Quadratmeter. In einem Vierteljahrhundert hat also jeder Mensch rund 500 Quadratmeter verloren.

Das liegt nicht daran, dass es weniger Acker gibt. Es gibt sogar etwas mehr Ackerfläche als im Jahr 2000, ungefähr fünf Prozent mehr. Oft wurde dafür Wald gerodet. Die Zahl der Menschen ist jedoch viel schneller gewachsen, und zwar um mehr als ein Drittel. (Diese Dynamik verlangsamt sich allerdings. Nach Schätzung der Vereinten Nationen wird die Weltbevölkerung Mitte der 2080er-Jahre mit gut zehn Milliarden Menschen ihren Höchststand erreichen. Doch das wäre Stoff für einen anderen Artikel oder eine lange Fußnote.)

Unsere 2.000 Quadratmeter sind also eine Zahl, die nicht mehr ganz stimmt. Vor einigen Jahren lagen wir noch darüber, seit einigen Jahren liegen wir darunter. Wenn ich heute also von 2.000 Quadratmetern spreche, dann runde ich auf, damit man sich die Zahl besser merken und vorstellen kann.

Wenn wir später konkret zu rechnen beginnen und wenn es auf Genauigkeit ankommen wird, werde ich mit der genaueren Zahl arbeiten.

Wie groß sind 2.000 Quadratmeter?

Ein Fußballfeld ist 105 Meter lang und 68 Meter breit. Das sind 7.140 Quadratmeter. Unsere 2.000 Quadratmeter bedecken also etwas mehr als ein Viertel davon.

Stell dir vor, du stehst in einem leeren Stadion auf der Torlinie. Von dort gehst du knapp 30 Meter in Richtung Mittellinie, ein gutes Stück über den Strafraum hinaus. Die ganze Breite des Spielfelds bis zu dem Punkt, an dem du nun stehst: Das ist dein Anteil am Ackerland der Erde.

Was wir vorerst beiseitelassen

Für jeden Menschen gibt es zusätzlich noch einmal knapp 4.000 Quadratmeter Wiesen und Weiden, etwa doppelt so viel wie Ackerland. (Zählen wir dieses Grasland dazu, füllen dein Ackerland und Weideland zusammen fasst das gesamte Fussballfeld.)

Dazu kommen Wälder, Seen, Flüsse und Meere. Auch von dort können Menschen Nahrung beziehen.

Diese Flächen lassen wir allerdings vorerst beiseite. Wir fragen zunächst nur, was der Acker allein leisten kann. Später werden wir sehen, dass diese anderen Flächen unsere Versorgung zusätzlich erleichtern und den Bedarf an Ackerland senken.

Die zentrale Frage

Wir wissen jetzt also, wie groß unser theoretischer Anteil am Ackerland der Erde ausfällt. Auf dieser Basis können wir nun die eigentliche Frage stellen: Kann ein Mensch davon überleben?

Ich meine nicht gut leben oder gesund leben. Ich meine einfach nur überleben. Darum geht es im nächsten Kapitel.

Quellen

• FAO: Land statistics and indicators 2000–2020

• Wikipedia: Agricultural land (FAO-Definitionen; Anbaufläche 2021: 1,58 Mrd. ha)

• Al-Ahram: UN-Schätzung 8,3 Mrd. Menschen Mitte 2026

• Umweltbundesamt: 2000 m² für alle – Der Weltacker

• Weltacker-Leporello

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