2.000 m² – Wie viel Erde braucht der Mensch

Diese Woche starte ich hier auf Substack mit der Vorabveröffentlichung meines neuen Buches. Nach «Das Wunder von Mals» und dem «Pestizidprozess» heißt dieses dritte Buch nun: «2.000 m² – Wie viel Erde braucht der Mensch». Ab sofort erscheinen hier Woche für Woche die Kapitel dieses Buches.

Worum geht es?

2.000 m² für jeden von uns

«Wenn man das fruchtbare Ackerland der Erde durch die Anzahl der Menschen auf der Erde dividiert, dann hätte jeder von uns – Männer, Frauen, Kinder, alte Menschen – 2.000 m² zu seiner Verfügung.»

Als ich diesen Satz im Jahr 2017 zum ersten Mal las, bekam ich sofort Lust, auszuprobieren, ob und wie ich von 2.000 m² leben könnte – oder eigentlich: ob meine sechsköpfige Familie von 12.000 Quadratmetern leben könnte.

Meine Lust allerdings, dies tatsächlich auf dem Felde auszuprobieren, war kleiner als meine Lust, weiterhin Filme zu machen, Geschichten zu erzählen, Fakten zu sammeln, kurz: meinem Beruf nachzugehen.

Am Schreibtisch jedoch, im Gedankenexperiment, ließ mich die Frage, ob und wie der Mensch von seinen 2.000 m² leben könnte, seit damals nicht mehr los. Dabei geht es nicht darum, dass jeder sein eigenes Feld bestellt: Handel, Lieferketten und Supermarkt bleiben, wie sie sind. Ich wollte rechnen, nicht ackern.

Vielleicht fragst du dich an dieser Stelle, warum mich diese Frage so sehr faszinierte. Es gab dafür mehrere Gründe.

Ernährungssicherheit

Da war zunächst der Hunger. Seit dem Tag, an dem ich zum ersten Mal davon hörte, fand ich es unerträglich und inakzeptabel, dass es auf diesem Planeten Menschen gibt, die Hunger leiden müssen. Wenn es theoretisch gelänge, auf 2.000 Quadratmetern einen Menschen zu ernähren, warum, so fragte ich mich, sollte das dann nicht auch global gelingen? Wenn es auf 2.000 Quadratmetern möglich wäre, dann müsste es auch weltweit möglich sein.

Intensive Landwirtschaft

Darüber hinaus recherchierte ich damals schon seit einiger Zeit – für ein Buch- und Filmprojekt – über die intensive Landwirtschaft. Es ging um instabile Monokulturen, anfällig für Schädlinge und Pilzerkrankungen, die mit viel zu großen Mengen viel zu giftiger Pestizide künstlich stabilisiert wurden.

Das Auffallende an der Debatte darüber war: Wann immer man die Bauern für diese Art der Landwirtschaft kritisierte, wann immer man sie auf die verheerenden Auswirkungen von Pestiziden in der Natur und im Körper des Menschen aufmerksam machte, war das letzte Argument, zu dem sie Zuflucht nahmen, die Welternährung.

Wer eine andere Landwirtschaft, eine weniger zerstörerische Landwirtschaft, eine weniger giftige Landwirtschaft, eine vielfältigere Landwirtschaft vorschlug, der träume nur, der sei ein Romantiker, ein unverbesserlicher. Man müsse nun einmal die Welt ernähren, und das gehe nur, indem man riesige Monokulturen mit riesigen Mengen Gift stabilisiere, Fabrikanlagen unter freiem Himmel anlege und betreibe.

Wenn es jedoch möglich wäre, so dachte ich, sich von 2.000 Quadratmetern nicht nur gesund, sondern auch nachhaltig zu ernähren, dann wäre diesem Argument der Wind aus den Segeln genommen. Es wäre widerlegt.

Anschaulichkeit

Was mich am Gedankenexperiment der 2.000 m² ganz besonders faszinierte, war die Tatsache, dass sich weltweite Zusammenhänge hier in einer Dimension durchspielen ließen, die für jeden von uns anschaulich wäre, die wir begreifenkönnten, die wir, wenn wir so ein Feld irgendwann einmal tatsächlich anlegten, buchstäblich angreifen könnten.

Ein solches Feld würde helfen, alle unsere Erkenntnisse zu visualisieren. Wir könnten sie auf diese Weise nicht nur besser begreifen, sondern auch besser speichern und abrufen.

Ein solches Feld gibt es übrigens schon: Die Zukunftsstiftung Landwirtschaft hat in Berlin einen «Weltacker»angelegt, der maßstabsgetreu zeigt, was auf den Äckern der Welt heute wächst und wofür. Mein Gedankenexperiment fragt weiter: Was müsste auf diesen 2.000 m² wachsen, damit sie uns gesund und nachhaltig ernähren?

Der Titel als Frage

Last but not least begeisterte ich mich für den Titel, der mir damals in den Schoß gefallen war. Er lautete kurz und knackig: «2.000 m²».

Mir erschien er ideal, denn er etablierte eine Frage, und hatte man erst einmal den Klappentext gelesen, so wusste man, in welche Richtung sie zielte. Es war, so dachte ich, eine Frage, die interessant genug war, um Leser und Leserinnen dazu zu bringen, die Auflösung des Rätsels erfahren zu wollen. Ernährung auf 2.000 m², gesund und nachhaltig … «Geht das nun, oder geht es nicht?» «Und falls es geht: Wie genau geht es?»

Der Fluss der Fragen

Dennoch verschwand das Projekt für einige Jahre in meiner Schublade, bis ich im Jahr 2024 ein Online-Seminar für Schriftsteller hielt. Wie jeder andere Schreiblehrer erklärte ich, dass ein fiktionaler Text dann funktioniere, wenn eine Figur, die für uns anschlussfähig sei und für deren Schicksal wir uns interessierten, vor einem großen Problem stehe, von dessen Lösung für sie viel abhänge. Haben wir erst einmal die Figur und das Problem etabliert, erzählt sich der Rest der Geschichte von selbst. Die Figur versucht, das Problem zu lösen, und stößt auf immer neue Hindernisse.

Das Originelle an meinem Kurs bestand vielleicht darin, dass ich behauptete, gute Sachtexte funktionierten nach genau demselben Prinzip. Man lege ein zentrales Problem auf den Tisch und versuche, es zu lösen. Ein zentrales, interessantes und relevantes Problem. Auf dem Weg zur Lösung tauchen dann, ganz so wie in der fiktionalen Geschichte, immer neue Probleme auf, immer neue Fragen. Einwände sind bei diesem Vorgehen also nicht nur nicht störend, sondern sogar sehr willkommen.

Um meine Theorie zu beweisen, spielte ich im Kurs ein Beispiel durch: Ich stellte die Frage, ob ein Mensch von 2.000 m² leben könnte.

Wie von selbst entstand nun der Fluss der Fragen.

Eine positive Annäherung an ein albtraumhaftes Thema

Als der Fragenfluss Gestalt angenommen hatte, staunte ich darüber, dass er sich einem eigentlich bedrückenden Thema – Hunger, Gift auf den Äckern, zerstörte Natur – auf eine Weise näherte, die in keinem Moment unangenehm oder negativ war. Im ersten Teil kreisten die Fragen darum, ob es möglich sei, von 2.000 Quadratmetern zu leben, im zweiten Teil darum, was sich alles verändern würde, wenn eine Gesellschaft so lebte.

Schon Teil eins barg eine Vielzahl positiver Überraschungen, Teil zwei aber schwelgte geradezu in den positiven Auswirkungen eines so konstruierten Ernährungssystems.

Sind Fragen wichtiger als Antworten?

Bei der Art von Fragen, die ich für dieses Buch stellte, bemerkte ich bald, dass diese Fragen im Grunde viel wichtiger waren als die Antworten. Denn waren sie erst einmal formuliert, so zeigte sich, dass die Antworten stets leicht zu recherchieren und im Einzelnen kaum umstritten waren. (Wer mit einem KI-Modell der neuesten Generation umgehen kann, kann alle Antworten mühelos selbst nachprüfen.)

So fügte sich das letzte Mosaiksteinchen meines neuen Buches ein: Mir wurde plötzlich klar, dass es absolut notwendig war, das Fragengerüst selbst möglichst transparent zu machen.

Nicht nur konnte auf diese Weise jeder meine Antworten überprüfen und gegebenenfalls kritisieren. Nein, man konnte auch die Fragen selbst hinterfragen und kritisieren, und ohne Zweifel würden alle meine Leser, die dem von mir vorgezeichneten Pfad folgten, genau das an der einen oder anderen Stelle auch tun.

Die zweite Auflage würde dadurch gewiss besser werden als die erste und die dritte besser als die zweite.

Weitreichende Folgerungen auf solider Faktenbasis

Abgesehen von etwaigen Feinheiten denke ich jedoch, dass die Antworten auf die hier gestellten Fragen solide belegtsind, und dasselbe gilt daher auch für die Schlussfolgerungen, die auf Basis dieser Prämissen gezogen werden müssen.

Diese Schlussfolgerungen aber sind – ich möchte nicht vorgreifen – für den Einzelnen wie für die Gesellschaft überraschend, und überraschend weitreichend.

Ich hoffe, dass meine Leser und Leserinnen es nicht bedauern werden, mir ihre Aufmerksamkeit und Zeit zu schenken, dass die Lektüre nicht nur genussvoll und interessant sein wird, sondern auch voller Überraschungen, und dass das, was hier präsentiert wird, nicht lediglich Gedankenspiel bleibt, sondern segensreiche Auswirkungen im Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft haben wird.

Mit deiner Hilfe bald auch als Buch

PS: Obschon ich nun damit beginne, die Inhalte dieses Buches hier kostenlos zur Verfügung zu stellen, ist die Publikation des Buches noch nicht gesichert. Es fehlen noch € 2.146,00. Bitte wirf einen Blick auf das Crowdfunding bei GoFundMe (https://gofund.me/227ed33e8) und überlege, ob du mithelfen kannst, damit das Buch bald erscheint.

Zum GoFundMe-Crowdfunding

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